23.11.2020 Corona-Hilfe oder Wahlkampfgeschenk? – Ortsbeirats-Budget soll an drei Vereine verteilt werden.

Es geht ums Geld

Der Corona-Lockdown hat auch in Harheim tiefe Bremsspuren hinterlassen. Die Kneipen und Restaurants sind trotz Hygienekonzept erneut geschlossen, viele Menschen sind im Home-Office oder noch viel Schlimmer: in Kurzarbeit. Selbständige und kleine Betriebe wissen nicht, wie sie die nächsten Monate überstehen sollen. Genauso hart und doch anders hat es Vereine getroffen. Kurse und Training in Mannschaftsstärke können nicht mehr stattfinden, Orchester und Chöre müssen im Freien proben. Unterricht geht – wenn überhaupt – nur unter seltsamen Hygieneinstallationen und –regeln. Glück haben Vereine dann, wenn die laufenden Kosten gedrückt werden können. So z.B. wenn für die eigene jetzt aber ungenutzte Halle, Übungsräume oder Sportanlagen keine Miete oder Unterhalt gezahlt werden muss, und wenn die Aufwandsentschädigungen für die Übungsleiter entfallen, wenn Kurse nicht mehr stattfinden. Immerhin halten die Mitglieder vielen Vereinen in der Not die Stange und kündigen nicht sofort die Mitgliedschaft und damit fällt die Einnahmeseite für den Verein nicht gleich völlig aus. Viele Vereine können damit in einer Art wirtschaftlichem Winterschlaf den verordneten Corona-Lockdown aussitzen. Allerdings steht noch ein großes Loch offen: Die Feiern und Feste, das Jahreskonzert des Musikvereins, die Kerb, die Veranstaltungen, die sind im Sommer ebenso abgesagt worden, wie der Adventsbazar des TV Harheim und der Weihnachtsmarkt der Vereine und genau diese Veranstaltungen haben die Kassen der Vereine oft ganz erheblich aufgefüllt. Jetzt blicken sie coronabedingt in leere Kassen.

SG Harheim soll 1500 Euro kriegen

Nun ist eine Harheimer Partei auf eine geniale Idee gekommen. Um die augenblicklich brachliegende Jugendarbeit der Vereine zu fördern, will die Partei drei Vereine mit jeweils € 1.500,00 unterstützen und das Geld dafür aus dem Ortsbeiratsbudget nehmen. Dass diese geniale Idee 14 Wochen vor der nächsten Kommunalwahl entsteht, ist vermutlich reiner Zufall und hat mit Wahlkampfgeschenken besonderer Art bestimmt nichts zu tun. Ein paar Fragen entstehen aber trotzdem. Weshalb will diese antragstellende Partei nur den TV Harheim, die SG Harheim und die Freiwillige Feuerwehr finanziell sponsern. Warum ist da nicht auch noch der Musikverein MV Harheim dabei, der Kerbeverein, oder der Katholische Jugendverein KJV? Schließlich machen die auch Jugendarbeit.

Noch viel entscheidender ist aber:

Geht diese Art der Förderung überhaupt?
Die Frankfurter Ortsbeiräte verfügen seit 2007 über ein eigenes Budget. Anfangs hat jeder Ortsbeirat jährlich € 1,00 pro Einwohner zugeteilt bekommen, dieser Betrag ist aber 2012 auf € 0,50 gesenkt worden. Diese Mittel konnten die Ortsbeiräte für Gestaltungs- und Verschönerungsmaßnahmen verwenden und kulturelle Aktivitäten und lokale soziale Initiativen fördern. Eine institutionelle Förderung ist jedoch ausgeschlossen, es kann sich nur um eine Projektförderung handeln. Zu beachten sind außerdem die „Allgemeinen Richtlinien für die Gewährung städtischer Zuwendungen“. Das heißt, neben dem Beschluss des Ortsbeirats bedarf es eines schriftlichen Antrag des Empfängers der Förderung. Der Magistrat prüft solche Anträge und die Empfänger sind verpflichtet, einen Verwendungsnachweis vorzulegen.

TV-Harheim soll 1.500 Euro kriegen

In Harheim sind aus dem Etat des Ortsbeirates in der Vergangenheit etwa eine Tischtennisplatte für einen Spielplatz, eine Balancierstange für die Schule, Überdachungen von Denkmälern, die Aufstellung eines öffentlichen Bücherschranks und vieles andere mitfinanziert worden.

Schon bald nachdem die Auswirkungen des Corona-Lockdowns auf Vereine sichtbar war, hatten Ortsbeiräte vorgeschlagen, Mittel aus dem Ortsbeiratsetat auch für in Not geratene Vereine verwenden zu können. Der Magistrat hat dem schließlich zugestimmt und im November 2020 festgelegt: „….entschieden, das Budget der Ortsbeiräte im Jahr 2020 ausnahmsweise um die Möglichkeit zu erweitern, aus diesen Mitteln einmalige, nicht rückzahlbare Zuwendungen Vereinenund anderen lokalen Institutionen zu gewähren, die …. durch die Pandemie in Not geraten sind.“.
Allerdings: begrenzt ist diese Förderung auf „…die Hälfte des (jährlichen) Budgets ..“.

Damit ist klar: Diese Art der Förderung geht grundsätzlich, ist jedoch an Bedingungen gebunden. Zum Beispiele an die Bedingung, dass der betreffende Verein sich wegen Corona in einer Notlage befindet. Ob das der freiwilligen Feuerwehr gelingt? Oder der SG-Harheim, die erst vor wenigen Monaten von der Stadt Frankfurt einen neuen Kunstrasenplatz bekommen hat?

Jetzt stellen sich ganz neue Fragen:

Freiwillige Feuerwehr soll auch 1500 Euro kriegen

Hat die antragstellende Partei das alles nicht gewusst?
Oder, noch besser, haben die Autoren diesen Antrag in die öffentliche Diskussion geworfen, obwohl ihnen klar ist, dass er so gut wie keine Aussicht auf Erfolg hat?
Sehen wir weitere Fakten an. Der Ortsbeirat Harheim hat in diesem Jahr knapp € 2.500 in seinen Etat bekommen. Die Hälfte davon könnte er für eine Coronounterstützung verwenden, genau € 1.234,00. Sofern da nicht eine wundersame Geldvermehrung eintritt, wird es schon an den vier Grundrechenarten scheitern, diese Summe durch drei zu teilen und drei Vereinen € 1.500,00 zu überreichen. Und selbst, wenn der Magistrat in höchster Not noch umgestimmt werden könnte, selbst wenn er zuliesse, das die Ortsbeiräte auch die Rücklagen und zudem vollständig (und nicht nur zur Hälfte) für Coronahilfen verteilen dürften, gäbe es im Harheimer Fall eine Grenze von etwa € 4.400,00. Dann allerdings wäre die Ortsbeiratskasse erst mal leer. Immerhin, so könnte es gelingen, wenigstens drei Vereinen ein wenig Geld zukommen zu lassen. Alle anderen Vereine gehen immer noch leer aus.

Coronahilfe oder Wahlkampfgetöse? Beurteilen Sie selbst die Ernsthaftigkeit und Seriosität.

Fakten
Antrag OF 272/14 im Wortlaut

Stellungnahme des Magistrats vom 13.11.2020, ST 1978, zum Thema „Coronakrise: Zuwendungen aus Mitteln des Ortsbeiratsbudgets

Der Antrag wird besprochen bei der

Ortsbeiratssitzung Montag, 23. November 2020, 20:00
Bürgerhaus Harheim
Bitte beachten Sie die Hygienevorschriften
Tagesordnung





Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

19.11.2020 Immer Ärger mit den Flaschen. Wohin mit dem Leergut, wenn kein Container mehr da ist?

Altglascontainer Am Auweg

Wohin mit leeren Flaschen? Na ganz klar, zurück zu Nettrewaldi, oder wo das Gesöff eben gekauft wurde, und dort ab in den Pfandomat. Die Mehrweg-Quote beim Bier liegt bei rund 80 Prozent. Mehrweg heißt, die einmal hergestellte Flasche muss nur nach Gebrauch gereinigt werden und wird nicht einfach weggeschmissen und mit teurem Rohstoffeinsatz neu hergestellt. Leider aber sind nicht alle Getränke in Mehrwegflaschen. Und da fängt der Ärger an. Einwegglasflaschen schneiden wegen der nur einmaligen Nutzung ökologisch gesehen nicht nur katastrophal schlecht ab. Sie sind überdies ein Problem wenn sie leer getrunken sind und man sie wieder loswerden will. Manch ein begnadeter Säufer wirft seine sechs oder mehr leeren Flaschen auf dem Nachhauseweg sportlich mit Schmackes in einen Altglascontainer und erfreut sich am musikalischen Klirren. Obwohl neben dem Einwurfloch deutlich steht: Einwurf nur von 7.00 bis 19.00 Uhr. Die Nachbarn haben dann auch noch was davon. Denn die schrecken im Schlaf hoch und würden dem Lärm emittierenden Trunkenbold wütend und verärgert am liebsten mit der Schrotflinte hinterherballern. Wenn sie denn eine greifbar hätten.

Altglascontainer bei Altkönigblick

Dieses Problem lässt sich leicht lösen, meint eine Fraktion im Harheimer Ortsbeirat. Und will alle Standorte für Altglascontainer bis auf drei streichen. Klappe zu, Affe tot. Lediglich die Container am Altkönigblick nähe Netto-Markt und der in der Riedhalsstraße vor dem Sportanlagenparkplatz sollen erhalten bleiben. Denn da wohnen keine lebenden Anwohner in der Nähe, die sich durch berstendes Glas aus dem Schlaf schrecken liessen. Zusätzlich soll noch ein Standort an der Kreuzung Korffstraße/Harheimer Weg dazu kommen. Also in der Nähe des Friedhofs. Dessen Bewohner, so kann man annehmen, werden sich über schepperndes Glas wohl ohnehin nicht beschweren. Aber sind nun damit wirklich alle Probleme gelöst?

Der trinkfreudige Gesell wird sich nun was anderes überlegen müssen, was er mit seinem leeren Sixpack macht. Ob der mitten in der Nacht noch den weiten Weg zum Friedhof geht, um seinen Müll loszuwerden, erscheint zweifelhaft Naheliegender wäre, die leeren Flaschen irgendwo an einem der Müllbehälter am Wegesrand zu deponieren. Genau das gleiche Problem hat aber jetzt auch der nachtschlafende Anwohner, der nun nicht mehr im Bett hochschreckt. Jetzt hat er Ruhe, denn da steht gar kein Container mehr zum Flaschen reinwerfen.

Altglascontainer am Friedhof

Aber auch er muss seine Wein-, Schnaps, und Saftflaschen, die sich so zusammensammeln, irgendwann mal zum Container bringen. Aber auch für ihn ist der nächste Altglascontainer jetzt vielleicht 800 Meter entfernt. Oder weiter. Für seine Nachbarn auch. Das läuft nun nicht mehr, mal kurz das Altglas wegbringen. Jetzt überlegt man schon, besser das Auto zu nehmen oder die Flaschen einfach in die Restmülltonne oder in einen öffentlichen Abfallbehälter zu werfen. Immer noch die bessere Lösung. Genug fröhliche Zeitgenossen entsorgen jetzt schon ihre Flaschen und ihren Müll im Park, an den Kleingärten oder irgendwo wild im Gebüsch und vertrauen darauf, dass irgend ein schlecht bezahlter Geringverdiener das wegräumt. Vielleicht ist eben keine Container in der Nähe auch keine Lösung.






Fakten
In Harheim gibt es augenblicklich sieben Standorte für Altglascontainer:
– Altkönigblick (Bei Netto)
– Riedhalsstraße (bei Sportanlage)
– In den Schafgärten (Bürgerhaus)
– Korffstraße (Friedhof)
– Maßbornstraße, gegenüber Hausnummer 31
– Am Auweg Nähe Hausnr. 28
– Am Auweg gegenüber von Hausnr. 7

In die Container darf werktags von 7.00 bis 19.00 Uhr eingeworfen werden. Sonntags und Feiertags ist das Einwerfen verboten.

Anträge
OF 261/14 der SPD
OF 270/14 der CDU

und die werden behandelt bei der

Ortsbeiratssitzung
Ortsbeiratssitzung am 23. November 2020, 20 Uhr
Bürgerhaus Harheim
Bitte beachten Sie die Hygienevorschriften.

Veröffentlicht unter Allgemein | 7 Kommentare

13.11.2020 Fahren mit angezogener Handbremse? Frankfurter Elektromobilitätskonzept ist reif fürs Altpapier.

Elektromobilität – Autofahren mit Zukunft

Wer umweltbewusst und klimafreundlich mobil sein will, sollte ein Elektroauto oder einen Plug-in Hybrid anschaffen. Weil die Kosten für E-Autos deutlich höher sind als bei den konventionellen Diesel oder Benzinern hat die Bundesregierung beschlossen, den Kauf von E-Autos finanziell zu fördern. Ab dem 16. November wird sogar die Doppelförderung für E-Autos möglich sein. Dann kann der staatliche Umweltbonus mit anderen Fördermaßnahmen kombiniert werden. Für E-Autos bis zu einem Nettolistenpreis von € 40.000 erhält man bis zum 31.12.2021 insgesamt € 9.000 Euro Förderung. Für E-Autos ab € 40.000 gibt’s noch € 7.500, für einen Plug-In Hybrid noch € 5.625. Kostet der neue Stromer mehr als € 65.000 gibt’s nix. So weit, so gut. Aber einen kurzen Moment noch, bevor Sie Ihre Unterschrift unter die Bestellung setzen. Offen ist nämlich noch die Frage:

Von irgendwoher muss die Power schon kommen

Wo werden Sie ihr neues E-Auto zukünftig mit Strom betanken?
Glück hat, wer in Harheim (oder Nieder-Erlenbach) wohnt. Über die Hälfte aller Wohnungen ist in diesen zwei Stadtteilen in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Günstige Voraussetzung also um eine passende Wallbox zu erwerben, sie an die Garage oder den Carport zu dübeln und schon kann das neue strombetriebene Fahrzeug geladen werden. Erheblich schwieriger wird das, sollten Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen. Dort funktioniert das mit der Wallbox nicht mehr so einfach. Ihr Vermieter oder die Miteigentümer wollen da zuerst mal um Zustimmung gefragt werden. Da hilft ihnen vielleicht die 50 Meter Kabeltrommel, die sie aus ihrem Küchenfenster in der dritten Etage vorsichtig abseilen. Oder aber, sie laden ihr Fahrzeug an einer Ladetankstelle in der Nähe. Vorausgesetzt, sie finden eine. Schwierig, schwierig, in der Bankenstadt am Main.

Glücklich, wer eine eigene Wallbox hat

Sie hätten sich für Ihren Stromerflitzer doch besser Hamburg, München oder Stuttgart als Wohnort aussuchen sollen. Die Stadt Frankfurt hatte Anfang 2020 im Stadtgebiet 104 Normalladepunkte und 18 Schnellladepunkte und liegt damit im Vergleich zu anderen deutschen Städten deutlich zurück. Dringend benötigt würden zunächst mindestens 800 Ladesäulen.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank hatte Anfang des Jahres eine dicke und bestimmt teuere  Elektromobilitätsstudie für Frankfurt anfertigen lassen, in der ein genauer Fahrplan aufgezeichnet war, wie Frankfurt hinsichtlich Elektroautos zukunftssicher gemacht werden soll. Zentraler Punkt waren die Ladestationen. Der Anbieter Allego wollte 360 Ladesäulen im Stadtraum aufstellen. Allego ist jedoch im Frühjahr abgesprungen. Jetzt will die Mainova einspringen und beabsichtigt, 40 Schnellladepunkte an 20 Schnellladesäulen an 12 verschiedenen Standorten zu realisieren. Bis wann das so weit sein wird? Wissen wir nicht. Ein Zeitpunkt zur Umsetzung wurde vom Wirtschaftsdezernenten Markus Frank nicht genannt. Bei der Elektromobilitätsstudie ist der Akku leer und keine Ladestation in sicht.

Sie haben jetzt ein schickes E-Auto mit satten Zuschüssen der Bundesregierung gekauft, wissen aber nicht, wo sie es laden können. Ihr böser Nachbar von Gegenüber kichert sich schon mal hämisch ins Fäustchen.

Sie wollen trotzdem immer noch ein E-Auto? Gut, ok. ich hör schon auf zu lästern. In Bad Vilbel Massenheim beim Baumarkt Maeusel können Sie ihren Akku während der Einkaufstour Laden. Genauso geht das in Bad Vilbel bei Aldi, in Nieder-Erlenbach bei Aldi müsste das auch gehen und dann haben sie noch bei Ikea in Nieder-Eschbach einige Ladestationen. Jede Woche mal Möbel kaufen ist zwar nicht ideal, aber Ikea hat ja auch ein ordentliches Restaurant. Schwierig wird nur, wenn ihre Nachbarn auch noch anfangen, wegen den hohen Subventionen auf Elektrofahrzeuge umzusteigen und wenn die dann auch noch bei Maeusel, Aldi, Ikea & Co ihre Ladestecker einstöpseln wollen.

Tip für Theaterfreunde der Frankfurter Komödie. Auf der Rückseite steht eine Mainova Schnellladestation

Dann habe ich noch einen Tip für die Theaterfreunde unter Ihnen. In der Schneidwallgasse, direkt hinter der Komödie (die befindet sich in der neuen Mainzer Straße) befindet sich eine Mainova neue Charging Station. Sie können Theaterbesuch mit Auto laden verbinden und parken kostenlos. Leider ist das Theater derzeit coronabedingt gedownlocked.

Vielleicht haben Sie auch das große Glück und der Frankfurter Magistrat folgt dem Wunsch des Harheimer Ortsbeirats, die Installation von Ladestationen durch Betriebe, Vereine und Privatpersonen finanziell zu fördern.

Viel besser wäre natürlich, der Magistrat der Stadt Frankfurt wacht endlich auf und beginnt zu begreifen, dass sich der Kampf gegen den Klimawandel nicht mit Elektrofahrzeugen gewinnen lässt, die zwar gefahren, aber nicht aufgeladen werden können. Aber dazu müsste sich bald vieles ändern. Es liegt in Ihrer Hand.


Fakten
Elektromobilitätskonzept und Umsetzungsstrategie für die Stadt Frankfurt am Main

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

12.11.2020 Corona rückt näher. Auch in Harheim

Corona

Die Infektionszahlen steigen in Hessen stark an, besonders in Hessens Party-Hot-Spots Offenbach und Frankfurt. Keine Überraschung also, dass auch Menschen aus dem ansonsten abgelegenen und paradiesischen Harheim sich infizieren, solange sie sich nicht rund um die Uhr in selbstgewählte Quarantäne begeben. Die Harheimer Grundschule hat in dieser Woche informiert, dass ein Kind positiv getestet worden ist, und die Kinder bis zum 20.11. deshalb durchgehend auch im Unterricht Maske tragen müssen. Eine Quarantäne für andere Kinder oder Klassen wurde nicht angeordnet. Nun sind Eltern ratlos und verwirrt. Könnte ein infiziertes Kind nicht im Unterricht das Virus weiterverbreitet haben? Also:

Wo stecken sich Menschen mit Covid-19 eigentlich an?
Immer noch verbreiten Fachleute aus Politik und Virologie massiv die Ansicht, dass sich Infektionen hauptsächlich im privaten Bereich ereignen, also bei privaten Feiern im Familien- oder Freundeskreis. Leider vernachlässigen sie jedoch, dass es nur bei einem Viertel aller Infektionen plausible Hinweise gibt, wo sich die Infektionen ereignet haben. In den meisten Fällen ist unbekannt, wo sich ein Mensch infiziert hat. Das kann zwar bei einer Party, aber genauso gut im öffentlichen Nahverkehr, an der Arbeitsstelle, in der Schule oder beim Einkaufen geschehen sein.

Mindestens beim November-Lockdown wurde unterschiedslos alles geschlossen, was wirtschaftlich ohne heftige Einbrüche geschlossen werden konnte. Die Erfahrungen mit ausgefeilten Hygienekonzepten in der Gastronomie, im Sport, in Kino und Theater sind nicht berücksichtigt worden. Nun rächt sich aber der konzeptionslose Teil-Lockdown. Denn weiterhin wissen wir kaum, wo und in welchen Situationen sich das Virus weiterverbreitet. Auch die Corona-App hilft nicht weiter, weil sie davon abhängig ist, ob ein positives Testergebnis auch gemeldet wird. Alleine schon, wenn ein symptomloser COVID-19 Infizierter gar keinen Test machen kann, ist die Verfolgung der Infektionskette am Ende.

Weitgehend sicher ist lediglich die Erkenntnis: Das Virus wird nur da weitergegeben, da wo zwei oder mehr Menschen sich begegnen.

Wie groß ist das Risiko, sich das Corona-Virus einzufangen?
Bei weitem nicht jeder Kontakt zu einem Infizierten bedeutet, dass man selbst infiziert wird. Mit der Dauer und Häufigkeit der Begegnungen nimmt das Risiko allerdings zu.

Mit bestimmten Maßnahmen können Sie das Risiko einer Infektion senken. Völlig ausschließen können Sie es jedoch nicht. Masken, Abstand, Hygiene und Lüften können das Risiko senken. Wie stark diese Methoden wirken, darüber streiten sich die Gelehrten bis zum heutigen Tag.

Die bislang vorliegenden Daten des RKI zeigen, dass sich junge Menschen (bis 14 Jahren) deutlich seltener infizieren. Unter anderem aus diesem Grund könnte das Gesundheitsamt Frankfurt auch entschieden haben, dass bei COVID-19 Fällen in Grundschulen eine Quarantäne ganzer Klassen oder Schulen nicht zielführend ist. Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes hatte in dieser Woche darauf hingewiesen, dass es zwar viele Lehrkräfte gibt, die infiziert sind und auch viele Schülerinnen oder Schüler, die sich angesteckt haben. Aber diese Ansteckungen finden normal nicht in der Schule statt. Außerdem seien besonders kleinere Kinder weit weniger ansteckend als Erwachsene.

AHA Regeln im Schulbus?

Und wie ist das mit den Schulbussen?
Aktuell beschweren sich Eltern in Harheim darüber, dass die Schulbusse besonders morgens häufig überfüllt sind, und damit ein empfohlener Abstand nicht einhaltbar ist. Der Hinweis freundlicher Kommunalpolitiker, dass sich die Schülerinnen und Schüler vielleicht überlegen müssten, einen Bus früher zu nehmen, greifen wir zwar gerne auf, geben aber zu bedenken, dass gerade am Stadtrand Busse auch in den Morgenstunden leider nicht immer im 5- oder 10-Minutentakt fahren. Und im Vergleich zu Verkehrsdezernenten oder Bildungsdezernentinnen werden es sich Schülerinnen und Schüler nicht erlauben können, selbst zu entscheiden, dass sie einen Bus später nehmen, in der Hoffnung, der sei weniger voll, aber mit der Aussicht auf wenig Verständnis seitens der Schule für die Verspätung.

Corona und Schule – ein sicherer Ort?

Was nun tun mit den Schülerinnen und Schülern?
Bleiben Sie ruhig und besonnen und vermeiden Sie, die Angst bei ihren Kindern zu vergrößern. Häufig gehen Kinder und Jugendlichen mit solchen Situationen viel vernünftiger zu, als man denkt.

Achten Sie auf die Regeln, selbst wenn Ihnen die ein oder andere Maßnahme nicht logisch oder richtig zu sein scheint.

Lassen Sie keine Angst oder Panik aufkommen. Die Gesundheitsämter Frankfurts wissen auch nicht alles aber sie bearbeiten die Sache kompetent unter Einbezugnahme neuester Erkenntnisse. Überlegen Sie: Möglicherweise ist Schule immer noch ein sicherer Ort für Ihre Kinder, als anderswo.

Und immer wieder: Reduzieren Sie Kontakte und Begegnungen. Vermeiden Sie volle Busse oder Züge. Suchen Sie nach Alternativen.


Fakten
zu den Ansteckungsorten
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Nov_2020/2020-11-03-de.pdf?__blob=publicationFile

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Zum zweiten Mal Opfer von Corona: Die erste Harheimer Jugendbefragung.

Die erste Harheimer Jugendbefragung ist erneut Opfer der Corona-Pandemie geworden. In dieser Befragung sollten möglichst viele Jugendliche aus Harheim über ihr Freizeitverhalten und ihre Wünsche hinsichtlich einer Jugendfreizeiteinrichtung im Stadtteil befragt werden. Zur Erinnerung: Harheim ist einer der wenigen Stadtteile in Frankfurt, in dem es kein Angebot offener Jugendarbeit gibt. Das bedeutet, außerhalb einer Vereinsmitgliedschaft hat die junge Generation in Harheim keinen Raum oder Ort, in dem sie sich „einfach nur so mal“ treffen kann oder wo auch mal erfahrene und verständnisvolle Gesprächspartner*innen für Beratung oder Unterstützung da sind. Die Befragung wurde schon für den Mai angekündigt. Corona hatte aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die erste Harheimer Jugendbefragung wurde also auf die Zeit nach den Herbstferien verschoben. Niemand hatte Corona auf dem Screen. Alle hatten gehofft, Corona wäre nach dem Sommer kein Problem mehr. Nun ist seit Anfang Oktober dieses Virus aber wieder zurück und sorgt für steigende Infektionszahlen.

Aufgrund der aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen sind deshalb keine Vor-Ort-Befragungen mehr möglich. Harheimer Jugendliche, die sich gerne noch bis zum 22.11.2020 beteiligen wollen, können dies aber über den Online-Fragebogen machen, der unter www.participare.de zur Verfügung steht.




Fakten
Die Harheimer Jugendbefragung sollte über einen Zeitraum von vier Wochen im Oktober 2020 in Harheim stattfinden, wird aber coronabedingt abgebrochen.

Der Fragebogen kann auch noch bis zum 22.11. online ausgefüllt werden auf der Internetseite www.participare.de

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen