10.08.2022 Ein Selbstversuch: Umweltfreundlicher Urlaub mit Fahrrad und Deutscher Bahn.

Deutsche Bahn: Umweltfreundlich reisen leicht gemacht?

Benzin, Öl, Gas sparen und Putin ärgern. Wir lassen also Auto und Motorräder stehen und gehen mit gutem Gewissen auf eine total entspannte und emissionsarme Fahrradtour entlang der Weser. Das lässt sich gut an. Das Wetter ist ideal und erträglich, sobald man die Frankfurter City verlassen hat. Lediglich umsteigen in Frankfurt-Süd ist stressig. Wie kriegt man zwei 28 kg schwere e-Bikes zuzüglich Gepäck innerhalb 90 Sekunden durch die schmale Waggontür und über eine abgrundtiefe Treppenstufe? Und wie werden die Fahrräder in die seltsamen DB-Fahrrad-Stellplätze eingebaut, so dass weder Felgen noch Speichen Schaden nehmen? Da muss der Bahn&Bike-Reisende noch ein bisschen Lehrgeld bezahlen. Jetzt hängen die Fahrräder Verordnungskonform in der Befestigung und – gibt’s bitte eine Dusche im Zug? Halbwegs pünktlich spuckt uns der Zug in Kassel wieder aus. Puh, die schwierige erste Phase ist halbwegs verlustfrei geschafft.

Phase 2 umfasst die Reise auf eBike von der Kasseler Documenta bis hin zu den Bremer Stadtmusikanten auf überwiegend gut angelegten Radwegen. Das ist eine andere Geschichte. Die überspringen wir und machen mit Phase 3 weiter: Rückfahrt.

An einem weltmeisterlichen Sonntagabend machen wir uns an die Planung der Rückfahrt von Bremen nach Frankfurt mit der Deutschen Bahn zwei Tage später. Nur bei wenigen Zügen sind noch freie Fahrradplätze zu kriegen. Wir haben Glück. Dienstag, 16:37 Uhr Abfahrt in Bremen und Ankunft um 21:24 am Hbf Frankfurt. Perfekt, eine Verbindung ohne Umsteigen. Beruhigt sehen wir das Fußballspiel zu Ende. Die deutschen Frauen verlieren. Ist das ein Omen?  

Zwei Tage später geht um 14:52 Uhr eine unheildrohende Mail der freundlichen DB Reisebegleitung ein. „Fahrt fällt aus“.

Sowas blödes, die Fahrt fällt aus wie eine Schulstunde bei Hitzefrei



Fahrt fällt aus
Wir brechen unsere Bremenstadttour sofort ab und steuern umgehend das Reisezentrum im Hauptbahnhof an. Die stresserprobte Beratungsmitarbeiterin runzelt die Stirn. Warum die Fahrt ausfällt? Sie hat keine Informationen. Alternativen? Das Problem sind unsere Fahrräder. Denn in allen Zügen sind die Fahrradplätze schon belegt.

Schließlich fischt sie einen Zug um 17:44 Uhr raus. Der kommt zwar erst um 23:15 in Frankfurt an, aber da sind noch Plätze für uns inclusive Räder frei. 23:15 Uhr, hm, doch etwas später als uns lieb ist, aber wir haben keine Wahl. Die zwei Stunden Zeit füllen wir dem Eislabor, in dem wir Gin-Eis kriegen, oder Sonnenblumenkerneneis. Dann mäandern wir durch die schönen Bremer Grünanlagen wieder näher an den Hauptbahnhof. Blick um 17:15 Uhr auf die Anzeigetafel: Der Zug verspätet sich und fährt erst um 17:58 Uhr. Nun ja, das geht ja noch. Einen Augenblick später springt die Verspätungsanzeige auf 18:09 Uhr. Mein Geduldsfaden ist knapp stark unter Spannung. Ich ziehe wieder ein Wartenummerkärtchen im Reisezentrum, da ich eine Antwort auf die Frage wünsche, was denn wohl ist, wenn auch dieser Zug sich weiterhin nach hinten verspätet. Während ich noch in der Warte schleife, springt die Anzeige erneut um. Der Zug hat jetzt 80 Minuten Verspätung. Statt 17:44 Uhr wird er um 19:09 starten. Mit etwas Glück sind wir also gegen Mitternacht in Frankfurt.

Der stresserprobte Beratungsmitarbeiter runzelt die Stirn. Wo ist das Problem, der Zug fährt in fünf Minuten? Über die 80 Minuten Verspätung hat er keine Informationen, obwohl sie auf den gut sichtbaren öffentlichen Abfahrtübersichten angezeigt werden. Erst mit Verspätung erreicht ihn die Information über die Verspätung des Zuges. Er sucht nach Alternativen. Er findet keine. Was ist, wenn der Zug gar nicht kommt? Dann, so meint er, könnten wir die Fahrtkosten zurückerstattet bekommen. Aber wie kommen wir dann inclusive Fahrräder nach Frankfurt? Heute gar nicht, meint er. Morgen sind auch schon alle Fahrradplätze belegt. Aber immerhin kann er uns normale Sitzplätze anbieten. Die Fahrräder? Die können nicht mit.
  
Wir stehen 10 Minuten vor 19:00 Uhr an dem einzigen Aufzug, der Fahrräder zum Gleis 8 hebt, zum einzigen Zug nach Frankfurt, der noch Fahrräder mitnimmt. Wir sind nicht die einzigen Menschen mit Fahrrad. Während aussteigende Fahrstuhlpassagiere an der Längsseite ihre Räder rausschieben, drängen auf der Breitseite Familien mit Großkinderwägen und anderen Rollkoffern rein und dann ist kein Platz mehr für Fahrrad. Jetzt gilt es zu handeln. Wir blockieren den Breitseiteneingang mit strengem Blick und verweisen auf die Warteschleife. Ein DB Bediensteter mit frischem Wasser für den Zug schneidet dennoch mit seinem Rollwagen elegant vor den Fahrrädern in die Warteschleife und drängt ungerührt vor wartenden Fahrrädern in den Aufzug. Zahlende Fahrgäste merken schnell: DB hat Vorrang.

Im Bereich D-E soll Wagen 6 halten, in dem die Fahrradstellplätze sind. Wir positionieren uns strategisch günstig und als wir sehen, wie Wagen 6 an uns vorbeifährt und 40 Meter weiter hält, springen flugs auf unsere Räder und hechten der offenen Zugtür hinterher. Wieder wollen 28 kg e-Bike in den Waggon gewuchtet werden. Nach ein paar verzichtbaren Diskussionen mit dem Zugbegleiter, der auf ordnungsgemäße und TÜV-konforme Befestigung der Fahrräder besteht, finden unsere e-Bikes und wir dann doch einen Platz in einem ansonsten nahezu leeren Zug. Da eine Oberleitung gerissen war, konnte Hamburg nicht angefahren werden. Diese Fahrgäste fehlen also.

Der Zug rollt schon eine halbe Stunde, da kommt die Durchsage des Zugbegleiters. Unglücklicher Zufall, auch bei Essen ist die Oberleitung gerissen, der Zug wird dort nicht halten. Reisegäste, die nach Essen wollen, müssen in Gelsenkirchen aussteigen und zusehen, wie sie sich weiter nach Essen durchschlagen können.

Der kurze Halt in Osnabrück, dauert ungewöhnlich lange, dann kommt die nächste Durchsage des Zugbegleiters. Ein renitenter Fahrgast hat Zugverbot gekriegt und möchte gerne von der Landes- oder Bundespolizei abgeholt werden. Die Weiterfahrt verzögert sich daher leicht. Als das Problem behoben ist, tritt das nächste auf. Die Software der Lok klemmt und muss neu hochgefahren werden. Also weitere drei bis vier Minuten warten. Reset. Dann läuft der Zug wieder.

„Wenn isch Internet hätt, könnt isch ihne auch Ihren Anschlusszug sache…“ hört man dann den schichtgewechselten Zugbegleiter hesseln. Nach dem Reset in der Lok ist jetzt im Zug das WIFI ausgefallen.   

Fahrradstellplätze in der Bahn. Leider oft belegt.

Kurz nach 21 Uhr läuft unser Zug in Gelsenkirchen ein. Der Zugbegleiter meldet, ausnahmsweise hält der Zug an Bahnsteig 5 und er würde gerne über die weiteren Verbindungen informieren, aber er bekommt keine Infos von seiner Leitstelle. „isch hab nix“. Hinter Münster nächste Verzögerung. Langsamfahrstelle, da irgendein Meßzug die Strecke beschädigt hat. Der Zug darf da nur 20-30 km/h fahren. Tut er aber nicht. Er steht.

Gegen 22:50 Uhr verlassen wir Köln, mittlerweile hat sich eine Verspätung von 2:00 Stunden angesammelt, die Fahrgäste nach Trier können sich im Wagen 10 die Taxigutscheine abholen. Wann wir in Frankfurt ankommen werden? Darüber gibt’s noch keine gesicherten Angaben.

Irgendwann strandet der Zug in Koblenz. Dann in „Meenz“. Dann am menschenleeren „Frankfurt Flughafen“. Um 1:15 Uhr am Morgen hält der Zug an der Endstation Frankfurt Hauptbahnhof. Ohne Fahrräder wären wir nun aufgeschmissen, da die S6 in Sommerpause ist. Also radeln wir aus eigener Kraft durchs nächtliche Frankfurt gen Norden. Am Berkersheimer Bahnhof hoffen wir, dass nicht ausgerechnet jetzt die Aufzüge streiken. Sie funktionieren tadellos.

Für 22 Uhr an diesem Dienstagabend war unsere Heimkehr geplant. Jetzt ist es 2 Uhr morgens. Und wir können froh sein, dass dieses Abenteuer mit

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04.08.2022 Kein TÜV für die DB. Schieberampen für Fahrräder dürfen am  Berkersheimer Bahnhof nicht montiert werden.

DB plant, TÜV sagt nein. Keine Schieberampen am Berkersheimer Bahnhof

Wo bleiben eigentlich die Schieberampen für Fahrräder, die die DB Netze AG für den Übergang über die Gleise am Berkersheimer Bahnhof versprochen hatte? Nach der finalen Schließung des Bahnübergangs wurde der längerfristige, provisorische Fuß- und Fahrradsteg von der DB geplant und gebaut und nach zähem Ringen wurden sowohl Aufzüge als auch schmale Schieberampen versprochen, damit zwischen Harheim und Berkersheim und darüber hinaus der Radverkehr weiterhin möglich ist und nicht über eine spassfreie, vierfach längere Umleitungsstrecke abgeschoben werden muss. Mit den Aufzügen haben Intensivradler*innen schon ausreichend gute und schlechte Erfahrungen machen können. Mit den Schieberampen nicht, denn die  fehlen sechs Monate nach Treppenöffnung immer noch.

Solche Schieberampen wollte die DB auf den Treppen des Stegs montieren

Auf Anfrage hat die DB Netze AG mitgeteilt, dass die Rampen zwar geplant, bestellt und sogar geliefert worden waren, der TÜV jedoch seine Genehmigung zur Montage aus Sicherheitsgründen versagt hat. Die DB hat keinen TÜV gekriegt? Seltsam. Hatte die DB Netze AG etwa keine Informationen darüber, was bei solchen Rampen zulässig ist und bei der Planung berücksichtigt werden muss?

Wir Grüne hatten diese Pinkelrinnenschieberampen schon in der Vorplanung aus Sicherheitsgründen abgelehnt und „richtige“, ausreichend breite und befahrbare Rampen gefordert, über die auch Kinderwagen, Rollstühle, Lastenräder und anderes barrierefrei auf die Bahnsteige oder über die Gleise fahren können. Die DB hatte diesen Vorschlag für den provisorischen Steg abgelehnt, weil zu wenig Platz dafür vorhanden sei und zudem die Steigung der Rampe über dem zulässigen Maß läge. (Ah, sind die TÜV-Bedingungen doch teilweise bekannt?)

mühsam zwar, aber wer sein Rad liebt, muss auch mal schieben.

Zack, nun weiß die Radfahrgemeinde wenigstens schmerzhaft Bescheid und muss auf diese Fahrradnotfallhilfe nicht länger warten, wie auf die nächste verspätete S6. Dieses Wissen alleine hilft leider auch nicht zum Ziel, wenn einer der Aufzüge mal wieder streikt und hinterlässt dann ratlose, hilfesuchende Blicke, wer mithelfen könnte, das bis zu 30 kg schwere Gefährt die steile Metalltreppe hochzutragen. Also vielleicht dann doch lieber acht Kilometer Umweg fahren?

Jammern hilft jedenfalls nicht. Schade nur, dass die lange Liste der nicht eingehaltenen Zusagen der DB wieder um einen weiteren Punkt verlängert wird.

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19.07.2022 Bei 35°C im Schatten in Harmonie vereint. Das MVH-Sommer-Promenadenkonzert  

MusikVereinHarheim. In Harheimonie vereint

Jetzt kann der Sommer kommen. Leider sorgt Corona für ein paar traurige Lücken unter den Musikern, aber trotzdem spürt man, wie der Harheimer Musikverein aufblüht, seit die beste Nordmainische Brass Band Frankfurts endlich wieder vor Zuhörern spielen darf so wie hier und jetzt, in Harheim, zum Promenadenkonzert-Abschlussheimspiel vor der Sommerpause. Trotz der Klimakatastrophen-Temperaturen schleppen sich viele Stammzuhörer und -Hörerinnen zum Alten Harheimer Kirchplatz, wo der Harheimer Hof freundlicherweise kühle Getränke für durstige Menschen, Hunde und Bäume anbietet. Ein bisschen wackelig die ersten Töne, aber wer hätte da kein Verständnis, angesichts der sportlichen Höchstleistungen unter Extremtemperaturen, die die Musikerinnen und Musiker zum klingen bringen. Harheimony eben.

70 Jahre Fördermitglied. Musik hält jung.

In der Pause dann die Ehrungen und auch hier zeigt sich wie beim Bornfest das Besondere an diesem paradiesischen Stadtteil im Grünen, zwischen Tradition, Familie und Moderne, zwischen Motorrad, Modetrend und Kult. Für 70 Jahre fördernde Mitgliedschaft kriegt Gerold Neidel eine Ehrenurkunde. Mit 14 Jahren war der heute rüstige, sportliche Senior mit dem verschmitzten Lächeln zum Musikverein Harheim gekommen. Um Tanzmusik zu machen. Heute, beim Promenadenkonzert, ist er natürlich wieder als Zuhörer und Fußwipper mit dabei. Was soll man da sagen? Musik hält definitiv jung. Der Link zum MVH steht gleich unten.

Link
Musikverein 1913 Harheim e.V.



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18.07.2022 Das Flow-Projekt: Was schwimmt da eigentlich im Eschbach? Wir schauen mal nach.

Was schwimmt denn da im Eschbach

Samstagvormittag, Einkaufszeit. Während viele Harheimer*innen die schattigen Konsumstätten aufsuchen um noch fehlendes Grillgut nachzukaufen stehen am Jägersteg acht neugierige und interessierte Menschen mit Reagenzgläsern und seltsamen farbigen Kästchen bewaffnet am Ufer des harmlos plätschernden Eschbachs und lauschen aufmerksam den Erklärungen Ralf Jägers, erkennbar am knallgrünen T-Shirt mit einem deutlich sichtbaren BUND auf der Brust und auch Träger des Forschungskoffers des FLOW-Projektes zur Untersuchung kleiner Fließgewässer – wie eben der Eschbach.

Wasser ist durchsichtig und farblos? Nicht immer. Das Eschbachwasser wird zuerst mal auf Farbe und Geruch getestet und besteht den ersten Test ohne Beanstandung. Das Wasser ist klar und sauber, geruchlos und frisch. Dann wird die Wassertemperatur gemessen, und die zeigt beim Eschbach 22,5°C an, was schon als „kritisch belastet“ gilt. Unbefriedigend also die Note. Die Experimente werden jetzt komplizierter, Substanzen werden tropfenweise mit anderen gemischt und gespannt beobachten viele Augenpaare, wie sich die Farbe ändert. Für manche Teilnehmer*innen mit beruflicher Laborerfahrung ist dies reine Routine, für mitexperimentierende Schüler*innen eine hochspannende Sache. Alle Werte werden akribisch geprüft und dann ins Feldprotokoll eingetragen.  

Was schwimmt denn da im Eschbach

Die Sauerstoffsättigung liegt bei 88 und gilt damit als wenig belastet. Gut schneidet der Eschbach auch bei der Ionen-Leitfähigkeit ab. Genauso der pH-Wert, der liegt bei 8 und deutet auf „nicht belastet“. Ammonium – als Hinweis auf frisch eingetragene Belastung etwa mit Gülle oder Dünger – kann gar nicht nachgewiesen werden. Nitrit, ebenfalls ein Indikator für Gülle oder Abwasser, ist kaum messbar, die Nitrat-Belastung liegt bei 10 und damit im Bereich von „wenig belastet“. Lediglich Ortho-Phosphat reißt alle roten Linien und liegt fett im Bereich von „übermäßig belastet“. Ortho-Phosphat ist ein Hinweis auf Belastung mit Abwasser und/oder anorganischen Düngemitteln. Abschließend wird noch die Wasserhärte getestet und mit 17°dH (Grad deutscher Härte) klar in „ziemlich hart“ eingruppiert.

Was schwimmt denn da im Eschbach

Damit schließt die kleine Harheimer Forscher*innengruppe die Untersuchungen für diesen Tag ab. Im nächsten Frühjahr soll erneut gemessen werden, um zu sehen, ob sich die Werte verändern. Vielleicht wollen die Harheimer FLOW-Forscher auch noch Tiere aus Wasserproben zu filtern und Aussagen über Art und Menge gewinnen.

Vielen Dank an Ralf Jäger, den Vorsitzenden des BUND OV Frankfurt Nord, der diese Aktion mit dem Forschungskoffer und seiner fachlichen Unterstützung möglich gemacht hat.


Fakten
FLOW ist ein wissenschaftliches Projekt des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und des BUND. FLOW wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.    

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14.07.2022 Hunde und Harheim. Dürfen Hunde auf Spielplätze, wenn da kein Verbotsschild steht?

Spielplatz in den Biegen

Auf den Shetland Inseln soll es mal eine Bank gegeben haben, an deren Eingang ein Schild hing: „Banküberfall verboten“. Offenbar hatte es sogar genutzt. Niemand hatte je diese Bank überfallen. Aber wozu so ein Schild? Ist erst etwas verboten, wenn ein Verbotsschild darauf hinweist? In Harheim gibt es fünf Spielplätze. Auf dreien davon steht ein Hundeverbotsschild. Auf den zwei anderen nicht. Heißt das nun, dass dort Hunde erlaubt, weil sie nicht ausdrücklich verboten sind? „Unsinn“ kommentiert das Grünflächenamt. Erstens ist für normal tickende Menschen völlig logisch, dass Hunde auf einem Spielplatz absolut nichts zu suchen haben und zweitens ist es in Frankfurt durch die Grünflächensatzung §4 Abs. 5 untersagt: „Es ist nicht gestattet, Hunde auf als Liegewiesen, Spielplätze oder als Hundeverbotszonen gekennzeichnete Flächen mitzuführen“. Glasklar verboten also, und auch unabhängig, ob das Tier angeleint ist, oder nicht. Ordnungswidrigkeiten können mit einer Geldbuße in Höhe von 5,00€ bis 1.000,00€ geahndet werden.

Spielplatz Riedhalsstraße

Wozu also braucht es noch ein Verbotsschild? Eine kleine Fraktion im Harheimer Ortsbeirat sieht das aber anders. Die BFF will, dass auf allen Harheimer Spielplätzen ein Verbotsschild für Klarheit sorgt. „Vielleicht nützt es ja doch etwas“.

Vielleicht. Da ist viel Hoffnung drin, die der Vertreter der Bürger für Frankfurt in die Macht der Schilder setzt. In Harheim gibt es mit den drei Spielplätzen mit und den zwei Spielplätzen ohne Hundeverbotsschilder ideale Bedingungen, einen praxisnahen Feldversuch zu starten, um belastbare Informationen zu gewinnen. Ist denn auf den Spielplätzen ohne Verbotsschild tatsächlich mehr Hundekot im Sand zu finden? Die in der Vergangenheit häufig als Verbotspartei gescholtenen Grünen schlagen diese Datenerhebung vor, bevor neue Verbotsschilder aufgestellt werden.

Spielplatz in den Aspen

Aber dieser Vorschlag wird vom Tisch gewischt. Der BFF Vorschlag erreicht eine Mehrheit und also wird also gefordert: Mehr Verbotsschilder auf den Spielplätzen. Hoffentlich können´s die Hunde lesen. Oder die Herrchen und Frauchen.

Jetzt aber auch noch: Anleinpflicht vor der Grundschule?
Aber da die ideenreiche BFF-Fraktion schon mal beim Thema „Verbotsschilder“ ist, fordert sie zum Schutz der Kinder in Grundschule und Kinderzentrum eine Anleinpflicht für Hunde anzuordnen und – logisch – entsprechende Hinweisschilder aufstellen zu lassen. Auch da sind ausgerechnet die Grünen dagegen. In Frankfurt haben Frauchen und Herrchen dafür zu sorgen, dass der Hund in Sichtweite auf Ruf oder Pfiff sofort reagiert. Büxt der Hund aus, fängt er an, kleine Hasen, Rehe oder Kinder zu jagen, hat Herrchen und Frauchen schnell gewaltigen Stress am Hals. Abgesehen davon gilt in Hessen die HundeVerordnung Hessen, und die sagt: „Hunde dürfen nicht unbeaufsichtigt laufen gelassen werden. Wer Hunde frei laufen lässt, macht sich … strafbar“. Auch in diesem Fall wird der nicht angeleinte Hund möglicherweise ratlos vor dem Schild knurren, es aber nicht lesen können. Immerhin bleibt Harheim vor weiteren „Hunde anleinen“ Hinweisschildern verschont. Auch den anderen Ortsbeiräten gefallen weitere Verbotsschilder nicht.


Fakten:
Für alle Hunde, die nicht wissen, dass Spielplätze weder Welpenzimmer noch Hundeklo sind, hier die Grünanlagensatzung mit den Regeln.

Antrag OF89/14 „Anleinpflicht für Hunde vor der Grundschule Harheim“

Antrag OF90/14 „Aufstellen von Hundeverbotsschildern auf Spielplatz Am Auweg“




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