19.09.2019 Parken auf Gehwegen zukünftig in Harheim erlaubt?

Pfarrwiese

Weg mit Opa und Oma. Der Gehweg ist für die Autos da!

Während in Frankfurt heftig darüber gestritten wird, ob E-Scooter auf Gehwegen fahren müssen, dürfen, oder verboten sind, haben in einigen Harheimer Straßenzügen die Menschen ganz andere Probleme. Dort dienen Gehwege als Parkplätze für Autos und können also gar nicht mehr von E-Scootern belegt werden. In manchen Fällen werden die Fahrzeuge so geparkt, dass sie noch einen halben Gehweg für Fußgänger übrig lassen. Längst jedoch nicht in allen Fällen. Beispiel: An der Pfarrwiese. Die Pfarrwiese biegt am Katholischen Kindergarten von der Philipp-Schnell-Straße ab bis zum Eschbach, macht eine Kurve nach rechts und am Spielplatz in den Biegen noch einmal eine Kurve nach rechts, um am Ende wieder in die Biegen einzubiegen.

Speziell in dem Abschnitt vom Spielplatz in den Biegen bis zum Ende hatten sich Anwohner verstärkt beschwert, weil die Gehwege meistens zugeparkt sind, und Fußgänger, besonders wenn sie mit Gehhilfen unterwegs sind, auf die Straße ausweichen müssen. Einen verkehrsberuhigten Bereich hatten sich die Anwohner im Ortsbeirat gewünscht. Eine Spielstraße also. In so einem Bereich darf nur in angezeichneten Parkplätzen geparkt werden. Dann würden die Gehwege frei bleiben.

Pfarrwiese

Rücksichtlosigkeit in der Praxis: Ein Herz für Kinder. Aber nicht nach Feierabend.

Vor wenigen Wochen hatten sich dann in einem Ortstermin das zuständige Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) und die Straßenverkehrsbehörden zusammen mit den Ortsbeiräten über das Problem ausgetauscht. Dass die Straßenverkehrsbehörden viel zu wenig Personal haben, um den parkenden Verkehr in den Stadtteilen am Stadtrand zu kontrollieren, das wussten die Ortsbeiräte schon. Auch weiterhin bleibt es dabei: Das Risiko, zufällig eine Gebührenpflichtige Verwarnung unterm Scheibenwischer zu haben ist in etwa so groß wie die Chance, dass die Eintracht gegen Bayern im Fussball gewinnt.

Die Einrichtung eines Verkehrsberuhigten Bereichs um das Parkproblem zu lösen, lehnte das ASE ab. In diesen Wohnstraßen ohne jeden Durchgangsverkehr gehe man davon aus, dass das die Nachbarn unter sich regeln. Ja, es lohnt sich, diesen Satz nochmal zu lesen. Die Nachbarn sollen das Problem mit den auf dem Gehweg abgestellten Fahrzeugen unter sich lösen.

Pfarrwiese

Fussgänger? Schulweg? Interessiert mich nicht.

Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen? Wenn Oma Erna mit dem Rollator auf dem Gehweg neben dem Sprinter nicht vorbeikommt, dann klingelt sie an allen Häusern und fragt freundlich, ob jemand den Sprinter wegfahren könnte?

Das ASE wollte aber immerhin prüfen, ob Parkplätze auf der Straße angezeichnet werden könnten, um so die Verkehrsteilnehmer zum ordnungsgemäßen Parken zu animieren. Vorausgesetzt, der Ortsbeirat wäre damit einverstanden.

Gesagt, getan. Der Ortsbeirat änderte den Beschluss und forderte nun die Anzeichnung von Parkplätzen und hoffte darauf, dass irgendwann emsige orangegekleidete Männer diese Anzeichnungen auf die Straße sprühen. Aber kurz vor dem Ziel gibt es doch eine überraschende Wendung.

Zu viele Parkplätze würden entfallen – wenn man den Fußgängern das Recht verschaffen würde, die Gehwege zu nutzen.

Ortsvorsteher Dr. Frank Immel (CDU) teilt vor wenigen Tagen dem engagierten Beschwerdeführer In den Pfarrwiesen mit, dass „…die Verkehrsplanung diese Idee verworfen hätte, weil gegenüber der jetzigen Situation zahlreiche bisher genutzte Parkplätze entfallen würden.“  Mal nachdenken. Gegenüber der jetzigen Situation? Natürlich würden auf den Gehwegen keine Parkplätze angezeichnet werden, weil die illegal wären. Die Gehwege sollen ja für die Fußgänger frei bleiben. Weil aber die Autos dann nicht mehr auf dem Gehweg parken können, würden zu viele Parkplätze entfallen, und deswegen empfiehlt das Amt, Autos sollen weiterhin Gehwegen parken. Eben Illegal. Fußgänger müssen sich wohl damit abfinden, dass sie ihr Recht nicht beanspruchen können. Vielleicht ist die Kritik, dass die Stadt Frankfurt eine ausgesprochen autofreundliche Politik macht, nicht völlig unberechtigt.

Aber halt. Bei einer Nachfrage beim zuständigen Sachbearbeiter beim ASE sagt der, das hätte er so nie gesagt. Das wäre eine Interpretation des Ortsvorstehers Dr. Frank Immel.
Merkwürdige Sache. Vielleicht wird irgendwann die schriftliche Antwort auf den Antrag Licht ins Dunkel bringen.
Die Situation in der Praxis
Ein Samstag im September in der Pfarrwiese. 22 Fahrzeuge stehen in dem oben genannten Bereich zwischen den Einmündungen zu In den Biegen. Freie Parkplätze stehen ausreichend zur Verfügung. Von den 22 Fahrzeugen parken 19 mehr oder weniger zur Hälfte auf dem Gehweg. Drei Fahrzeuge sind ordnungsgemäß abgestellt. Die 19 Fahrzeuge, die auch den Gehweg als Parkraum verwenden, hätten mit etwas Umsicht auch auf der Straße geparkt werden können. Es hat überhaupt keinen Grund für die jeweiligen Fahrzeughalter bestanden, auf dem Gehweg zu parken. Gedankenlosigkeit? Rücksichtslosigkeit?

 

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12.09.2019 Kein Platz für Kinder und Jugendliche in Harheim?

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Kinderzentrum in den Schafgärten. Größte Kinderbetreuungseinrichtung Frankfurts im kleinsten Stadtteil ?

In die Baugebiete Harheim-Nord und Süd und in das Baugebiet am Urnbergweg sind in den letzten Jahren rund 1200 Menschen gezogen, rund die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Die Wohnungen in Harheim waren im Schnitt größer und hatten mehr Zimmer, also traumhaft geeignet für kleine und große Familien. Trotz dem Bau der KiTa in den Aspen, dem Ausbau der Mini-KT-96 zum Kinderzentrum und der Erweiterung des Weltenbummlers ist aber Harheim in Sachen Kinderbetreuung zurückgefallen. Aktuell gehen viele Eltern leer aus, wenn sie sich um einem Betreuungsplatz bemühen. In der Innenstadt weichen Eltern dann auf nahegelegene andere Stadtteile aus. Am Stadtrand geht das nicht.

Es fehlen aber nicht nur Betreuungsplätze für Kinder. Es fehlt auch ein Ort oder eine Einrichtung wo besonders Jugendliche ihre Freizeit verbringen können, wenn sie am späten Nachmittag von der Schule nach Hause kommen. In fast allen Stadtteilen gibt es Kinder- und Jugendhäuser. Mit Ausnahme von Berkersheim und Harheim. Und mit Ausnahme des Frankfurter Flughafens, der ja auch als Stadtteil zählt.

Harheimer Kirchplatz

Nicht überall sind Jugendliche willkommen

Ja, es ist den Grünen in Harheim sehr bewusst, dass die Vereine im Stadtteil in vielen Fällen eine engagierte und hervorragende Jugendarbeit anbieten. Fussball, Musik, Turnverein, Feuerwehr, katholischer Jugendverein. Die bieten weiterhin wie seit vielen Jahren offene Türen für die diversen Jugendgruppen.

Aber offene Jugendarbeit ist etwas anderes und ersetzt die Arbeit der Vereine keineswegs. Nicht jede Jugendliche will nach einem anstrengenden Schultag gleich mit dem Training für eine Sportart oder mit der Probe für ein Konzert weitermachen. Manchmal möchten auch Jugendliche einfach nur mal abhängen und mit Freunden ziellos quatschen, etwas besprechen oder etwas kühles trinken. Das können sie fast überall in Frankfurt. In Harheim jedoch nicht.

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Basketball auf der Spielstraße Riedhalsstraße

Schon im Juni 1995 forderten die Harheimer Grünen vom Magistrat Frankfurts ein Konzept für eine Kinder- und Jugendarbeit in Harheim auszuarbeiten. Weil es in Frankfurt rund 80.000 Kinder gäbe und die offene Jugendarbeit mit DM 370,00 pro Kopf gefördert wird. Leider aber nicht die 509 Jugendlichen aus Harheim. Die bekommen nichts. In den letzten 24 Jahren hat sich daran nichts geändert. Ausser, dass die Anzahl der betreffenden Kinder und Jugendlichen weiter angestiegen ist.

Nachdem im Koalitionsvertrag der CDU, SPD und Grünen im Römer 2016 die langjährige Ortsbeirätin und jetzt Stadtverordnete Kristina Luxen den Bau einer Jugendfreizeiteinrichtung
in Harheim explizit verankern konnte, hatte die Harheimer SPD im Juli 2017 nachgefragt, ob es damit noch was werde.

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Fussballspielen mit Uwe Bindewald bei der SG Harheim

Nach nur vier Monaten hatte der Magistrat festgestellt, dass es in Harheim keine städtisch geförderte offene, freizeitpädagogische Einrichtung gäbe und € 86.000 als Planungsmittel bereitgestellt. Hurra, das ist ja schon mal was.

Nun sind wieder zwei Jahre lang Wasser an Main und Nidda hinuntergeflossen, ohne dass sich etwas bewegt. Vielleicht hätte man die Stellungnahme des Magistrats akribisch genau lesen sollen. Dort steht nämlich

„… wurden Projekt-Planungsmittel in Höhe von 86.000 Euro brutto im aktuellen Investitionsprogramm eingestellt. So können die Planungen im Zuge der Ausweisung zukünftiger Neubaugebiete bzw. freier Flächen im Stadtteil konkretisiert werden.“

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Jugend in Harheim – Container. Die Container waren schon da. Die Jugendlichen auch. Nur die Genehmigung nicht.

Aha. Da hat jemand das Hintertürchen aber ganz weit aufgestoßen. Nach den oben genannten fertiggestellten Baugebieten wird es nämlich auf unabsehbar lange Zeit in Harheim keine neuen Baugebiete geben. Und damit – wörtlich genommen – auch keine Jugendfreizeiteinrichtung.

Wieder mal eine kostenlose Lektion des Magistrats Frankfurt aus der Reihe „Probleme lösen leicht gemacht.“

 


Ortsbeiratssitzung, Montag, 16.09.2019, 20 Uhr, Bürgerhaus Harheim

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25.08.2019: Eindrucksvoller Durstlöscheinsatz am Tag der Offenen Tür: Die Freiwillige Feuerwehr Harheim.

FFW

Tag der Offenen Tür bei der Freiweilligen Feuerwehr Harheim

Was so eine freiwillige Feuerwehr wirklich kann, zeig mal wieder die junge Generation vor  dem Feuerwehrgerätehaus am Eschbach am heißen Sonntagnachmittag der offenen Tür. Zumindest symbolisch. Denn nur mal so zum Spaß ein Feuerchen machen und dann wieder austreten, das ist verboten und bei den trockenen Witterungsverhältnissen genauso gefährlich, wie achtlos eine brennende Zigarette aus dem Auto zu werfen. Die jungen Sanktfloriansjünger und Jüngerinnen waren ganz schön auf Zack und die Zuschauer hinterher ziemlich überrascht, wieviel Druck doch so ein Schlauch entwickelt, wenn da mal volle Pulle Löschwasser rausspritzt. Währenddessen hatten die aktiven Einsatzkräfte und Senioren an der Durstlöschfront alle Hände voll zu tun, den Kehlenbrand der Gäste mit genügend Süssem, Wasser, Äppler, Cola, Kaffee oder Bier zu löschen. Vielleicht die angenehmere Aufgabe. Aber mal von der Party abgesehen – braucht man im 21. Jahrhundert noch freiwillige Feuerwehr?

FFW

Lucas Rusu-Cara (4) findets toll, mal den Schlauch zu halten

Was passiert, wenn man keine Feuerwehr hat, das kann man in den Bildern im Fernsehen  aus Brasilien oder Sibirien sehen, wo große Waldflächen langsam vor sich hinbrennen. Ohne dass da jemand wäre, der löscht. Eine Feuerwehr ist so etwas wie eine Versicherung oder die Mitgliedskarte bei einem Automobilclub. So lange alles gut geht und nix passiert, ärgert man sich, dass man die Prämie bezahlt hat. Tritt aber der Schadensfall ein, dann ist man heilfroh, dass jemand kommt der hilft.

Die Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt sind dabei alles andere als überflüssig und werden auch durch die Profis der Berufsfeuerwehr keineswegs ersetzt. Die Freiwilligen Brandbekämpfer werden gleichzeitig mit der Berufsfeuerwehr alarmiert und wegen der räumlichen Nähe in Harheim meistens sehr viel schneller am Ort des Geschehens. Nun sind zehn bis fünfzehn Einsätze im Jahr für die Harheimer Feuerwehr zwar nicht sehr viel. Ideal wären Null Einsätze, wenn es Katastrophen oder Unfälle erst gar nicht gegeben hätte. Andererseits ist es jedoch überaus beruhigend, wenn nach einem 112 Notruf die Harheimer Einsatzkräfte gut geschult und sachkundig und schnell wie die Feuerwehr am Einsatzort ankommen.

FFW

Übungskulisse für Löschübungen

Freiwillige Feuerwehr – also, alles andere als überflüssig, sondern im Notfall einfach lebenswichtig. Für andere oder auch für Sie. Auch Sie können diese wichtige Arbeit unterstützen. Mit einer Mitgliedschaft, mit Respekt, und dadurch, dass Sie auf den Autobahnen die Rettungsgasse freihalten.

Und – für heute am Tag der offenen Tür – indem Sie für Umsatz an der Getränketheke und am Grill sorgen. Für einen guten Zweck.

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21.08.2019: Parkausweise für Handwerker und Fahrradstadt Frankfurt – was hat das mit Harheim zu tun?

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Fahrradstadt Frankfurt

Turbulenzen im Ortsbeirat. Auf der aktuellen Tagesordnung stehen „Handwerker Parkausweis Region  RheinMain“ und „Fahrradstadt Frankfurt“, die Essenz aus dem „Radentscheid Frankfurt“. Was hat das mit Harheim zu tun? Offenbar nichts, finden die Ortsbeiräte und lehnen deswegen auch beide Vorhaben ab. Sie erinnern sich an den Radentscheid Frankfurt? Die Römerkoalition (CDU, SPD, Grüne) und die Macher des Radentscheids haben sich auf ein ambitioniertes Programm zur Radverkehrsförderung geeinigt. Alexander Breit, Stadtplaner und Autor beim Radentscheid Frankfurt, ist aus dem fernen Frankfurt-Eckenheim nach eigenem Bekenntnis zum ersten Mal ins unbekannte Harheim gekommen, um für die Zustimmung zum Top Thema „Fahrradstadt Frankfurt am Main“ zu werben. Er hatte sich seine Mission vermutlich einfacher vorgestellt. Denn gleich vom Start weg wollten Ortsbeiräte wissen, ob er die Radverkehrsprobleme des Stadtteils denn kennen würde. Da hatte der Radentscheidautor gleich mal schlechte Karten auf der Hand. Nach einer kurzen Einführung in die Lückenschlussproblematik und in das Problem mit dem Radverkehrsproblempunkt Berkersheimer Bahnhof skizzierten die Ortspolitiker dem Stadtplaner ihre nachvollziehbare Sorge, dass das Projekt „Fahrradstadt Frankfurt am Main“ die personellen und finanziellen Ressourcen für Fahrradverkehr über Jahre hinweg in die Innenstadt fließen lassen würde und für die Radwegeverbindungen in den Ortsteilen der Frankfurter Diaspora noch nicht einmal die Brotkrumen vom Tische der Verkehrsplaner übrig blieben. Fahrradschnellwege nach Darmstadt und Hanau nützen den Harheimer Radler*innen herlich wenig, wenn in Berkersheim der Bahnübergang dauerhaft geschlossen und damit die schnelle und direkte Radverbindung über Preungesheim bis in die Innenstadt gekappt wird, weil die Deutsche Bahn zusammen mit dem Verkehrsdezernenten die Radfahrerproblematik auf der offroad-Piste durch den Berkersheimer Wiesengarten entsorgen wollen. Radschnellwege bauen, ja. Aber bestehende Radschnellwege beseitigen, das passt aber auch gar nicht zur selbstgekrönten Fahrradstadt Frankfurt. Die BFF Stadtverordnete Ingeborg Leineweber soufflierte schon zu Beginn der Sitzung prophetisch, dass im Nieder-Erlenbacher Ortsbeirat alle Fraktionen dieses Konzept von der „Fahrradstadt Frankfurt“ abgelehnt hatten. In Harheim gab es mit einem 4:5 Ergebnis zwar eine deutlich knappere Niederlage, die aber für Alexander Breit den langen Abend auch nicht mehr retten konnte.

Halteverbot

eingeschränktes Halteverbot

Harheimer wollen kostenlose Parkausweise für Handwerker? Oder für Alle.
Schon einmal vorgeglüht und in Fahrt befeuerte der nächste Verkehrsantrag die Stimmung weiter. CDU Fraktionssprecher und Garten- und Landschaftsbauer Stefan Quirin präsentierte den Antrag seiner Fraktion, dass Handwerker in Frankfurt den Sonderrechte-Parkausweis (umsonst Parken im eingeschränkten Halteverbot, an Parkuhren, Verkehrsticketautomaten und Parkscheibenbereiche) kostenlos bekommen sollten. Die Verwaltungsgebühr von € 305,00 pro Jahr, also 85 Cent pro Kalendertag, wären für die Handwerker unzumutbar hohe Kosten.
Da war CDU-Ortsbeirat Quirin natürlich voll im Visier des Fraktionssprechers der Grünen aufgetaucht. Der empfahl dem CDU Ortsbeirat erst einen Blick in die Geschäftsordnung der Ortsbeiräte zu werfen. Dort steht, dass der Ortsbeirat das Recht hat, Vorschläge zu Angelegenheiten zu machen, die den Ortsbezirk angehen. Über die Frage aber, ob Handwerker das Flatrate-Parken-Sonderrecht gratis bekommen sollten, könne ja nun nicht der kleine Ortsbeirat 14 entscheiden. Sowas müsse die Handwerkskammer oder die IHK mit der Stadt Frankfurt verhandeln, schließlich sei der

Bleiche

Auch auf der Bleiche in Harheim dürfen Handwerker mit Parkausweis grenzenlos parken. Kostenlos!

CDU-Fraktionssprecher ja dort engagiert. Überhaupt empfand der Grüne den kostenlosen Dauerparkverbotentgrenzer als soziale Schieflage. Auch andere Menschen, die keine Handwerker seien, hätten wichtige Dinge mit Fahrzeug in Frankfurt zu erledigen. Deswegen würden die Grünen diesen Antrag ja auch unterstützen, wenn alle Frankfurter diesen Parkausweis bekommen könnten, also nicht nur die Handwerker. Das wiederum ging aber dem der CDU Harheim zu weit. Da aber bei der Stimmenzählung außer den CDU-Ortsbeiräten niemand mehr eine Hand für die kostenlose Parkausnahmegenehmigung für Handwerker heben mochte, war der Antrag abgelehnt.

Dennoch ist der Antrag ein hoffnungsvolles Zeichen und eröffnet neue Perspektiven. Denn der Ortsbeirat 14 hat erneut wieder gezeigt, dass er es mit der rechtlichen Grundlage nicht so wörtlich genau nimmt. Die Ortspolitiker möchten gerne ihre Ideen über die hohe Politik in Stadtverordnetenversammlung, vielleicht sogar Landtag oder Bundestag einbringen. Demokratie wagen, heißt das Motto. Das ist auch gut so. Der Grüne Fraktionssprecher kündigte daher an, zur nächsten Sitzung einen Antrag einzubringen, der die bundesweite Einführung einer sozialverträglichen CO2-Steuer fordert. „Vom Klimawandel sind alle Harheimer betroffen, nicht nur die Handwerker“ kommentierte der Grüne Helmut Seuffert im Schlusswort.

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Zukunft Harheim 2030: Die Wohnungen sind schon da. Aber warum fehlen Kinderbetreuungsplätze?

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Kinderzentrum in den Schafgärten. Größte Kinderbetreuungseinrichtung Frankfurts im kleinsten Stadtteil ?

Immer noch klafft eine große Lücke zwischen dem Bedarf und dem Angebot an Kinderbetreuungsplätzen in Harheim. Warum ist das so?

Viele Jahre lang konnte man sich in Harheim neben der Kerb und dem Weihnachtsmarkt auf eines verlassen: dass es jährlich im Frühjahr einen drastischen Mangel an Kinderbetreuungsplätzen gibt, der aber bis zum Schuljahresanfang im Herbst oftmals sogar bis auf Null heruntergeschmolzen war. Aber diese Arithmetik funktioniert seit über 10 Jahren nicht mehr. Dafür sind mehrere Ursachen verantwortlich. Der Anteil der Eltern, die eine Betreuung über den ganzen Tag brauchen, ist größer geworden. Vor allem ist die Bevölkerung im Stadtteil Harheim durch die neuen Baugebiete deutlich angewachsen, und gerade vielen junge Familien sind hierher, in den naturnahen, grünen Stadteil gezogen.

Das Schuldezernat hatte dabei noch nie die Gabe, steigende Kinderzahlen vorherzusehen.
Schon als die ersten Häuser in Harheim-Nord im Rohbau waren, hatte das Schuldezernat den Neubau der KT in den Aspen erst einmal verschieben wollen. Niemand hatte den Mitarbeitern im fernen Dezernat gesagt, dass die Neuharheimer vor Ort schon die Speditionswagen bestellt hatten. Niemand? Doch. Die Ortsbeiräte schon. Aber wer glaubt schon nervigen Ortsbeiräten.

ehemaliger HL

Der alte HL. Steht seit Jahren leer und wartet nur auf die Kinder

Mit Harheim-Süd ging das Spiel in die nächste Runde. Zwischenzeitlich war die alte kleine KT 96 abgerissen worden und an dieselbe Stelle wurde im kleinsten Frankfurter Stadtteil das größte Frankfurter Kinderzentrum gebaut. Weltenbummler und katholischer Kindergarten wurden gebeten, gedrängt, die Kapazitäten zu vergrößern und in der erweiterten Grundschule ESB eingeführt. Vielleicht hatte aber das Schuldezernat angenommen, in jede Wohneinheit in Harheim ziehen durchschnittlich zwei Erwachsene und 0,3 Kinder ein. Dass im familienfreundlichen Harheim große familienfreundliche Wohnungen entstehen, in die zwei Kinder mit einziehen, das ist niemand aufgefallen. Und den Ortsbeiräten hat man immer noch nicht geglaubt, dass sie die besseren Daten haben. Dass sich die Situation noch einmal verschärfen könnte, sobald die Wohnanlage für Geflüchtete bezogen würde, darauf gab es für die Ortsbeiräte eine klare Antwort. Darum würde man sich dann schon kümmern, wenn es so weit wäre. Und so blieb alles auch unter einer neuen Schuldezernentin beim alten. Außer, dass die Ortsbeiräte noch mehr Druck machten.

Dass die Kommunikation zwischen Dezernenten, Ortsbeirat und Magistrat – vorsichtig ausgedrückt – verbesserungsbedürftig ist, davon legten die vielen vergeblichen Problemlösungsversuche ein deutliches Zeugnis ab. Im August 2018 ist dann das Schuldezernat tatsächlich aufgrund der Initiative der Kinderbeauftragten Heidi Sehl aktiv geworden. Die zeitgleich oder schon vorher beschlossenen Anträge des Ortsbeirats an den Magistrat schlummerten vermutlich noch inmitten eines dicken Papierstapels mit der Aufschrift: k.w. (kann warten).

Jetzt, im August 2018, vor genau 12 Monaten stellt das Dezernat für Integration und Bildung fest, dass die Betreuungseinrichtungen in Harheim den Bedarf nicht abdecken könnten und dass neue Räumlichkeiten gesucht werden müssen. Der ehemalige HL-Markt in der Haintalstraße stand noch immer leer und empfahl sich zur Prüfung.

Nun sind wieder 12 Monate vergangen. In Harheim mangelt es immer noch an Betreuungsplätzen. Die Hoffnung der Bildungsdezernenten, das Problem würde sich von alleine lösen, hat sich nicht erfüllt. Die Ortsbeiräte haben noch immer keine verlässliche Information darüber und können den Eltern daher keine Hoffnung machen. Die Eltern wiederum haben endgültig das Urteil gefällt: Ortsbeirat kann man in der Pfeife rauchen.

Die Eigentümerin des ehemaligen HL-Marktes weist seit Monaten darauf hin, dass sie in der Lage wäre, die erforderlichen Umbaumaßnahmen in 9 Monaten durchführen zu lassen. Das Dezernat, das entscheiden und handeln muss, will sich aber offenbar weder drängen lassen, noch selbst einmal den Eltern und Ortsbeiräten Rede und Antwort stehen. Die Referentin im Dezernat XI, Jasmin Misev, war vor 12 Monaten zuversichtlich, „… dass wir gemeinsam eine Lösung finden werden“. Vermutlich hat sich an der Zuversicht der Referentin genausoviel geändert, wie an der Situation: nichts.

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