07.04.2019 Von Wein, Weib & Gesang bis zum aufgegangenen Mond. Der MVH bläst sich spielend durch mehrere Jahrhunderte.

MVH

Macht aus Blech Musik: der Musikverein Harheim.

Diesmal hat es der Harheimer Musikverein MVH wirklich allen recht gemacht. Vom Radetzky-Marsch bis zu Caribbean Variation hat das Harheimer Starorchester spielend mehrere Jahrhunderte unter einen Hut gespielt und sich gleichzeitig doch auf nur drei Komponisten beschränkt. Nämlich auf Johann Strauß, Johann Strauß, Dizzy Stratford, Ron Sebregts, Tony Jabovsky und Jacob de Haan. Und sie sehen gleich, die Sache wird offenbar etwas kompliziert. Aber Stammgäste bei den Konzerten des MVH wissen, dass dank der Moderation von Jürgen Groh zwischen der Musik immer noch ausreichend Platz für den einen oder anderen Parforceritt durch die Musikgeschichte bleibt. Es gibt komplizierterweise gleich zwei bekannte Komponisten mit dem Namen Johann Strauß. Zum einen den 1804 geborenen Johann Baptist Strauss, der – um die Sträuße auseinander zu halten – das Label „Johann Strauss Vater“ erhalten hat. Und zum anderen den 1825 geborenen Johann Baptist Strauss, für den dann logischerweise die Rolle des Sohns übrig bleibt. Musiker kommen eben viel rum und gehen den Gelegenheiten, Nachkommen in die Welt zu setzen, offenbar nicht mutwillig aus dem Weg. Was sich auch an den Lebensläufen beider ablesen lässt. Nichts anbrennen zu lassen scheint irgendwie in der Familie zu liegen. Aber egal. Den weltbekannten Radetzky-Marsch jedenfalls Johann Strauss Vater komponiert. Wein, Weib und Gesang war dagegen Sache des Sohnes.

MVH

Brassbands gab es schon im 19. Jahrhundert. Damals hiess es noch Blasorchester.

Und die anderen Komponisten? Die Namen Dizzy Stratford, Ron Sebregts und Tony Jabovsky sind Künstlernamen des 1959 geborenen Jacob de Haan, der einzige der drei Komponisten übrigens, der immer noch kreativ musikalisch aktiv ist. Während also die typische dicke Backen Marschmusik die eine Hälfte im Großen Saal des Bürgerhauses veranlasste, sich durch Mitklatschen bemerkbar zu machen, hatte die andere Hälfte bei den Jacob de Haanschen Stücken Mühe, ruhig auf den Stühlen sitzen zu bleiben, da die Füße immer weiter wippen wollten. „Der Mond ist aufgegangen“ sollte das Konzert ruhig auslaufen lassen. Aber selbst als der Mond musikalisch schon längst voll am Himmel stand und die Musiker*innen des MVH bereits die zweite Zugabe geblasen hatten, wollte die Zuhörerschaft eigentlich gar nicht nach Hause, sondern lieber noch eine dritte, vierte und fünfte Zugabe. Jetzt müssen sie aber warten bis zum nächsten Jahr. Wie soll man nur die lange Zeit überbrücken? Auch dafür hatte der MVH einen Vorschlag: einfach aktiv mitspielen.
MVH

Mindestens der Dirigent Gergö Nagy liefert solide Handarbeit ab.

 

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01.04.2019 Artistik am Hochseil – Weltweit einzige Flowerhighpower-Seiltanznummer bei Zirkus Delmonde in Harheim.

Seiltanz

Das dünne Kabel ist fast nicht zu sehen, über das die Seiltänzerin tänzeln wird

Von weitem sehen die bunten Zelte bei Harheim bescheiden und klein aus. Dabei hat es der kleine Zirkus aber artistisch faustdick in den Füssen. Die Artistenfamilie zeigt am Montag erstmals eine weltweit einzigartige Seiltanznummer. Dabei wird eine junge Seiltänzerin über ein dünnes, von unten fast nicht sichtbares Stromkabel in luftiger Höhe tänzeln, das eigens über den Harheimer Weg gespannt wurde. Die Tänzerin auf dem Seil wird in Erinnerung an die Flowerpower-Zeit vor 50 Jahren lediglich in Blüten gekleidet Blumen auf die Zuschauer herunter regnen lassen und wenn alles wie geplant klappen wird, werden die speziellen leitfähigen Schuhe auf dem Kabel magnetische Induktionen hervorrufen, die zusätzlich deutlich sichtbare Funken

Seiltanz

Selbst der Knoten ist Kunst. Das Kabel ist künstlerisch im Japanischen Shibari-Stil am Baum befestigt

versprühen werden. Die Sache sei nicht ganz ungefährlich, verrät der Pressesprecher des Unterhaltungsunternehmens, aber er habe großes Vertrauen in das Talent der jungen Artistin, die schon bedeutende internationale Nachwuchspreise errungen hätte. Einzig einsetzender Regen könnte die Vorführung verhindern, da dann das Seil zu rutschig sei und die ganze Nummer wegen der elektrischen Spannung zu gefährlich würde. Zumal wegen dem üblichen Verkehr auf dem Harheimer Weg unter dem Stromkabel kein Sicherheitsnetz gespannt werden kann. Bei einem erfolgreichen und unfallfreien Verlauf wird die Seiltanznummer in das reguläre Zirkusprogramm aufgenommen und kann dann ab dem 4. April in jeder Vorführung bestaunt werden.

Sieht zwar wackelig aus, hält aber garantiert bombenfest.

In Harheim wird die sensationelle Nummer weltweit erstmals vor Publikum gezeigt und die Harheimer Bevölkerung ist gerne eingeladen die Premiere und Generalprobe am Montag nachmittag um 17 Uhr live mitzuerleben. Stattfinden wird die Vorführung über dem Harheimer Weg, von der Kreuzung am Friedhof Richtung Bonames an der dritten Straßenlaterne. Der Eintritt ist frei.

 

Seiltanz

Hier ist das Ziel: der Baum auf der anderen Straßenseite.

 

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29.03.2019 Die Stadt, der Müll und die FES

Mülltonnen

Die kleine Mülltonne in der Fuchskaut möchte gerne geleert werden.

Rainer Werner Fassbinders Schauspiel „Der Müll, die Stadt und der Tod“ hatte in Frankfurt vor 32 Jahren für einen handfesten Skandal und eine Reihe von einstweiligen Verfügungen und anderem höchstrichterlich beschriebenem Papier gesorgt. Nun scheint sich ein neues Drama mit ähnlichem Titel ausgerechnet im beschaulichen Harheim zu entwickeln und zwar in der kleinen Anliegerstraße In der Fuchskaut. Der Anlass ist dabei banal. Die Mülltonnen werden nicht mehr geleert, weil … nun ja, weil eben. Weil Müllfahrzeuge nicht mehr rückwärtsfahren dürfen, weil die Fuchskaut zu schmal für die Leerungs LKWs ist, weil die FFR – eine Tochterfirma der FES – nicht die Tonnen vor an die Straße gerollt hat, weil es die Anwohner auch nicht gemacht haben. Eine ansehnliche Palette von guten Gründen haben die Fuchskautbewohner bei ihren Nachfragen bei der FES als Antwort bekommen. Die Tonnen werden indes immer noch nicht regelmäßig geleert, auch wenn die Anlieger ihre Müllgebühren immer rechtzeitig bezahlt haben. Nun scheint sich eine Vermutung zu bestätigten, nämlich dass die betroffenen Bürger unfreiwillig an einem großen FES-Feldversuch teilnehmen. Weil nämlich durch rückwärtsfahrende Müllfahrzeuge jedes Jahr Menschen verunfallen, will die FES die Gefahr so minimieren, dass die Hausmüll und Sperrmüll abholenden Müllfahrzeuge nur noch vorwärts fahren. Für die Fuchskaut muss allerdings noch erfunden werden, wie das da gehen soll. Denn dort kommen die vorwärts einfahrenden Müllfahrzeuge nicht um die engen Kurven. Die FES hatte deshalb geplant, dass am Leerungstag die Tonne vormittags bis an den breiten Teil der Fuchskaut gerollt wird und nachdem das vorwärts fahrende Müllauto die Tonnen geleert hat, werden die leeren Tonnen am Nachmittag wieder zurückgerollt. Offen ist allerdings noch das Problem mit dem Sperrmüll. Die FES hatte dazu bekanntgegeben, dass es sich mit dem morgendlichen Tonnenrollen nur um eine Übergangslösung handeln kann. Die Kosten dafür trägt – nach Auskunft der FES – die Stadt Frankfurt. Für die Bürger entstehen keine zusätzlichen Kosten. Jedenfalls nicht unmittelbar. Auf Dauer wird die Stadt Frankfurt genauso wenig wie die FES so großzügig sein, die Abfallbeseitigung auch nur teilweise selbst zu bezahlen. Die Gesamtkosten der Müllbeseitigung wird irgendwann auf die Bürger verteilt werden müssen.

Aber immerhin freuen sich bestimmt die Harheimer Anwohnerinnen in der Fuchskaut, wenn bis dahin die reguläre Müllbeseitigung wieder regelmäßig klappt.

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22.03.2019: Mehrfamilienhäuser oder Friedwald? Was tun mit dem Friedhofserweiterungsgelände?

Friedhof

Auf der Harheimer Friedhofserweiterungsfläche wohnen Schafe.

Aufschlag für die Sozialdemokraten. Die Harheimer SPD Fraktion schlägt im Februar vor, einen Teil der Friedhofserweiterungsfläche dem Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen, da in absehbarer Zeit die Flächen nicht benötigt werden. Und natürlich, um dem Wohnungsmangel in Frankfurt abzuhelfen. Der Vorschlag findet im Ortsbeirat jedoch keinen Zuspruch. Für dieses eher kleine Areal müsste ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Ob sich das rentiert? Aber immerhin hat die SPD das Rennen um die interessantesten Vorschläge eröffnet und die Harheimer Christdemokraten wollen nachlegen. Ihrerseits stellen sie in der nachfolgenden Sitzung den Antrag, auf der Friedhofserweiterungsfläche einen Friedwald einzurichten. Dazu bräuchte es vermutlich zwar keinen Bebauungsplan. Aber ein paar Bäume, die einen Wald ergäben, wären schon nicht schlecht und von denen ist augenblicklich keiner zu sehen. Darum versucht die CDU ihren Antrag während der Besprechung zu verändern. Anstelle Friedwald wäre auch Friedhain möglich. Stadtverordnete Leineweber aus Nieder-Erlenbach schlägt etwas mit Streuobstwiese vor. Also eine Begräbnisstätte unter Streuobstbäumen? Allerdings scheitert auch diese schöne Idee an dem profanen Einwurf eines alteingesessenen Harheimers, der zu bedenken gibt, dass die schöne Friedhofserweiterungsfläche nur teilweise im Besitz der Stadt Frankfurt ist. Der Rest müsste zugekauft werden. Jetzt gewinnt die Diskussion plötzlich an interessanter Schräglage. Für die Friedhöfe ist das Grünflächenamt zuständig und die müssen wirtschaftlich arbeiten. Am Besten sogar kostendeckend. Die haben aufgrund der geänderten Bestattungsgewohnheiten der Lebenden festgestellt, dass sie viel zu viel Erweiterungsfläche haben, die sie bewirtschaften müssen, was ihnen wiederum die Kalkulation für die wenig flächenintensiven Urnenwände verhagelt. Die Harheimer Friedhofserweiterungsfläche zu erwerben, um ein Gräberfeld zu machen, für das aber bei konventionellen Bestattungsarten schon gar keine ausreichende Nachfrage besteht, das klingt zumindest betriebswirtschaftlich nicht sehr reizvoll.

Friedhof

Ob die Fläche für Beerdigungen jemals gebraucht wird ist unsicher.

Im Augenblick wird mindestens ein Teil der Fläche durch die Rasse-Schafe bewirtschaftet, die dort friedlich für Gemütlichkeit und Wolle sorgen. Vielleicht wäre noch viel mehr gewonnen, wenn man diese Fläche einfach weiterhin als Erweiterungsfläche naturnah etwa als Wild- und Kräuterwiese wachsen lässt. Dann könnte damit ein kleiner Beitrag für die aussterbenden Bienen und Insekten geleistet werden. Denn ökologisch gesehen ist die Erweiterungsfläche gerade dann wertvoll, wenn sie eben nicht künstlich bebaut oder angelegt wird. Und dann haben wir doch alle was davon. Nur können viele es einfach nicht ertragen, wenn ein Stück Fläche einfach so „ungenutzt“ herumliegt.

Friedhof

Die Schafe helfen kostengünstig bei der Pflege des Geländes.

 

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19.03.2019: 200 LKWs täglich zur Baustelle? Gespräch mit der DB ergebnislos abgebrochen.

Bahn

Alle Ampeln auf Rot. Wie kommen die vielen LKWs nur zur Baustelle?

Ein Gespräch zwischen den Ortsbeiräten 10 und 14 und der Deutschen Bahn wegen dem LKW-Verkehr zur Baustelle ist am Montagabend ergebnislos abgebrochen worden. Für die DB ist immer noch nicht absehbar, ob und wann die geplante Baustellenabfahrt von der B3a in Bad Vilbel gebaut und befahren werden kann. Solange diese Zufahrt nicht besteht können die Schwertransporter das Baumaterial nur über den Ortskern Berkersheim anfahren. Oder eben über Harheim, sobald die Niddabrücke entsprechend „ertüchtigt“ worden ist.

Da schon 40 LKW-Bewegungen durch Berkersheim die Anwohner in Angst und Schrecken versetzen, hatte die DB den versammelten Ortsbeiräten eine Reihe von Alternativen präsentiert, um den Weg durch die Berkersheimer Bahnstraße zu umfahren. Ab diesem Augenblick entstand in der versammelten Runde eine eher gereizte Stimmung, die nicht vom Koffein aus den Kaffeetassen herrühren konnte. Die von den DB-Planern mittels farbiger Balken in Google-Earth Abbildungen markierten Feldwege, die zukünftige LKW-Trassen werden könnten, verursachten nagende Zweifel, ob die DB Mitarbeiter schon einmal live vor Ort sich diese Wege angesehen hätten. Der FDP Ortsbeirat Dr. Langner (OBR 10) erinnerte, dass im Planfeststellungsbeschluss die Anlieferung des Materials hauptsächlich auf Schiene ausdrücklich vorgesehen sei. („Güter gehören auf die Schiene“). Der DB-Experte wischte diese Möglichkeit vom Tisch. Dieses ursprüngliche Verkehrslogistikkonzept gäbe es nicht mehr. Der Antransport per Schiene wäre von 20 Jahren bei der Planfeststellung noch möglich gewesen, aber das wäre aktuell technisch nicht mehr möglich. In der Konsequenz bedeutet das möglicherweise, dass sich die DB bei der Einrichtung der Baustelle nicht mehr auf Planfeststellungsbeschlüsse berufen kann, sondern für jede Einzelmaßnahme individuell eine Vielzahl von Genehmigungen bei unterschiedlichen Ämtern einholen muss. Da lässt sich die Assoziation  eines nie fertigstellbaren Berliner Flughafen gar nicht mehr so einfach aus dem Kopf schieben.

Noch bevor das DB-Team überhaupt zu den Anfahrtmöglichkeiten über die zu ertüchtigende Harheimer Niddabrücke zu sprechen kam, donnerte Ortsvorsteher Robert Lange (OBR 10) in der Nachdiskussionszeit mit der Faust auf den Tisch und brachte die Diskussion auf den Punkt: „Die Bahn macht den zweiten Schritt vor dem ersten. Jeder Bauherr muss die Voraussetzungen schaffen, bevor er anfängt zu bauen. Und das muss die Bahn auch. … Nur ist das Sache der Bahn und nicht der Ortsbeiräte…“

Die Beschwichtigungen des DB-Planers, ihnen wäre schon klar, dass sie die vielen LKWs nicht durch Berkersheim aber auch nicht durch Harheim fahren lassen können, traf bei den anwesenden Ortsbeiräten auf ein müdes Lächeln. Dem einen oder anderen waren die Versprechungen der DB Kommunikationsexperten von vor zwei Jahren noch zu präsent in Erinnerung.

Fazit: Dass die Baustelleneinrichtung und die Anlieferung des Materials auf dem Streckenabschnitt zwischen Bad Vilbel und Eschersheim ein Problem werden könnte war schon vor Jahrzehnten bekannt. Dass die DB nun ausgerechnet von den betroffenen Ortsbeiräten erwartet, dass die das Problem lösen, indem sie zwischen erhängen oder erschießen oder erwürgen wählen, zeigt ein erschreckendes Maß an Einfalls- und Verantwortungslosigkeit. Wie geht es weiter mit der Großbaustelle am Berkersheimer Bahnhof? Niemand weiß es.

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