19.09.2019 Parken auf Gehwegen zukünftig in Harheim erlaubt?

Pfarrwiese

Weg mit Opa und Oma. Der Gehweg ist für die Autos da!

Während in Frankfurt heftig darüber gestritten wird, ob E-Scooter auf Gehwegen fahren müssen, dürfen, oder verboten sind, haben in einigen Harheimer Straßenzügen die Menschen ganz andere Probleme. Dort dienen Gehwege als Parkplätze für Autos und können also gar nicht mehr von E-Scootern belegt werden. In manchen Fällen werden die Fahrzeuge so geparkt, dass sie noch einen halben Gehweg für Fußgänger übrig lassen. Längst jedoch nicht in allen Fällen. Beispiel: An der Pfarrwiese. Die Pfarrwiese biegt am Katholischen Kindergarten von der Philipp-Schnell-Straße ab bis zum Eschbach, macht eine Kurve nach rechts und am Spielplatz in den Biegen noch einmal eine Kurve nach rechts, um am Ende wieder in die Biegen einzubiegen.

Speziell in dem Abschnitt vom Spielplatz in den Biegen bis zum Ende hatten sich Anwohner verstärkt beschwert, weil die Gehwege meistens zugeparkt sind, und Fußgänger, besonders wenn sie mit Gehhilfen unterwegs sind, auf die Straße ausweichen müssen. Einen verkehrsberuhigten Bereich hatten sich die Anwohner im Ortsbeirat gewünscht. Eine Spielstraße also. In so einem Bereich darf nur in angezeichneten Parkplätzen geparkt werden. Dann würden die Gehwege frei bleiben.

Pfarrwiese

Rücksichtlosigkeit in der Praxis: Ein Herz für Kinder. Aber nicht nach Feierabend.

Vor wenigen Wochen hatten sich dann in einem Ortstermin das zuständige Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) und die Straßenverkehrsbehörden zusammen mit den Ortsbeiräten über das Problem ausgetauscht. Dass die Straßenverkehrsbehörden viel zu wenig Personal haben, um den parkenden Verkehr in den Stadtteilen am Stadtrand zu kontrollieren, das wussten die Ortsbeiräte schon. Auch weiterhin bleibt es dabei: Das Risiko, zufällig eine Gebührenpflichtige Verwarnung unterm Scheibenwischer zu haben ist in etwa so groß wie die Chance, dass die Eintracht gegen Bayern im Fussball gewinnt.

Die Einrichtung eines Verkehrsberuhigten Bereichs um das Parkproblem zu lösen, lehnte das ASE ab. In diesen Wohnstraßen ohne jeden Durchgangsverkehr gehe man davon aus, dass das die Nachbarn unter sich regeln. Ja, es lohnt sich, diesen Satz nochmal zu lesen. Die Nachbarn sollen das Problem mit den auf dem Gehweg abgestellten Fahrzeugen unter sich lösen.

Pfarrwiese

Fussgänger? Schulweg? Interessiert mich nicht.

Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen? Wenn Oma Erna mit dem Rollator auf dem Gehweg neben dem Sprinter nicht vorbeikommt, dann klingelt sie an allen Häusern und fragt freundlich, ob jemand den Sprinter wegfahren könnte?

Das ASE wollte aber immerhin prüfen, ob Parkplätze auf der Straße angezeichnet werden könnten, um so die Verkehrsteilnehmer zum ordnungsgemäßen Parken zu animieren. Vorausgesetzt, der Ortsbeirat wäre damit einverstanden.

Gesagt, getan. Der Ortsbeirat änderte den Beschluss und forderte nun die Anzeichnung von Parkplätzen und hoffte darauf, dass irgendwann emsige orangegekleidete Männer diese Anzeichnungen auf die Straße sprühen. Aber kurz vor dem Ziel gibt es doch eine überraschende Wendung.

Zu viele Parkplätze würden entfallen – wenn man den Fußgängern das Recht verschaffen würde, die Gehwege zu nutzen.

Ortsvorsteher Dr. Frank Immel (CDU) teilt vor wenigen Tagen dem engagierten Beschwerdeführer In den Pfarrwiesen mit, dass „…die Verkehrsplanung diese Idee verworfen hätte, weil gegenüber der jetzigen Situation zahlreiche bisher genutzte Parkplätze entfallen würden.“  Mal nachdenken. Gegenüber der jetzigen Situation? Natürlich würden auf den Gehwegen keine Parkplätze angezeichnet werden, weil die illegal wären. Die Gehwege sollen ja für die Fußgänger frei bleiben. Weil aber die Autos dann nicht mehr auf dem Gehweg parken können, würden zu viele Parkplätze entfallen, und deswegen empfiehlt das Amt, Autos sollen weiterhin Gehwegen parken. Eben Illegal. Fußgänger müssen sich wohl damit abfinden, dass sie ihr Recht nicht beanspruchen können. Vielleicht ist die Kritik, dass die Stadt Frankfurt eine ausgesprochen autofreundliche Politik macht, nicht völlig unberechtigt.

Aber halt. Bei einer Nachfrage beim zuständigen Sachbearbeiter beim ASE sagt der, das hätte er so nie gesagt. Das wäre eine Interpretation des Ortsvorstehers Dr. Frank Immel.
Merkwürdige Sache. Vielleicht wird irgendwann die schriftliche Antwort auf den Antrag Licht ins Dunkel bringen.
Die Situation in der Praxis
Ein Samstag im September in der Pfarrwiese. 22 Fahrzeuge stehen in dem oben genannten Bereich zwischen den Einmündungen zu In den Biegen. Freie Parkplätze stehen ausreichend zur Verfügung. Von den 22 Fahrzeugen parken 19 mehr oder weniger zur Hälfte auf dem Gehweg. Drei Fahrzeuge sind ordnungsgemäß abgestellt. Die 19 Fahrzeuge, die auch den Gehweg als Parkraum verwenden, hätten mit etwas Umsicht auch auf der Straße geparkt werden können. Es hat überhaupt keinen Grund für die jeweiligen Fahrzeughalter bestanden, auf dem Gehweg zu parken. Gedankenlosigkeit? Rücksichtslosigkeit?

 

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