19.09.2022 Sind Bürgerhäuser noch Bürgerhäuser? Vereine sollen Räume zwei Jahre im Voraus buchen.

Das Bürgerhaus Harheim: 2 Jahre im Voraus buchen?

Gerade eben erreicht das Vereinsleben nach über zwei Jahren Pandemie-Ausnahmezustand wieder zaghaft den Zustand von „Normal“, da gibt’s eine fette Überraschung direkt nach der Sommerpause. Ab sofort sollen Vereine für ihre Veranstaltungen im Harheimer Bürgerhaus die Räume zwei Jahre im Voraus reservieren. Der Grund dafür: Die gestiegene Nachfrage für Räume in den Bürgerhäusern. Das klingt merkwürdig. Gerade das Harheimer Bürgerhaus ist nicht gerade dafür bekannt, dass es über Monate hinweg lückenlos ausgebucht wäre. Denn auch bei Veranstaltern im Eventgewerbe hat Corona tiefe Bremsspuren hinterlassen.

Die durch die Corona-Krise stark getroffene Event-Branche ist vorsichtig optimistisch. Die Nachfrage nach Live-Events steigt deutlich an. Menschen wollen wieder real zusammenkommen und unbeschwert feiern, gerade auch, nachdem viele Familienfeiern verschoben wurden. Gleichzeitig aber sorgen drastisch gestiegene Preise für neue Verunsicherung. Wird man sich eine Live-Jubiläumsfeier im Jahr 2024 denn noch leisten können? Vor diesem Problem stehen Privatpersonen und Unternehmen genauso wie die Vereine.

Besorgter Hinweis oder eher Ultimatum?
…auf Grund der gestiegenen Nachfrage für Räume können Reservierungen zukünftig nur noch zwei Jahre im Voraus vorgenommen werden. Dabei bitten wir zu beachten, dass pandemiebedingt die Herbstferientermine 2024 frühestens im Frühjahr 2023 bekannt gegeben werden. Ab Oktober 2022 können Reservierungen für das Jahr 2024 gerne schriftlich eingereicht werden.“ So lautet das trockene und nüchterne Schreiben der Saalbau an die Vereinsringe. Sorgt sich die Saalbau ernsthaft, dass wegen der gestiegenen Nachfrage die Vereine mit ihrer Saal-Buchung für Veranstaltungen zu spät sein könnten? Dann hätte bestimmt ein freundlich formulierter Hinweis ausgereicht, die Vereine mögen wegen der steigenden Nachfrage möglichst frühzeitig zu reservieren. Jetzt klingt der Tenor des Schreibens zwischen den Zeilen jedoch eher nach Ultimatum.

Bürgerhaus Harheim für die Harheimer Bürger?

Ist gar keine Buchung wirtschaftlicher als eine Vereinsbuchung?
Natürlich muss man wissen, dass Vereine und politische Parteien die Räumlichkeiten der Frankfurter Bürgerhäuser zu einem deutlichen Vorzugspreis anmieten können. Betriebswirtschaftlich gesehen bedeutet das im Umkehrschluss: Die Saalbau GmbH kann mit Vermietungen an die Vereine nicht kostendeckend arbeiten. Profit macht die Saalbau GmbH mit den Bürgerhäusern nur dann, wenn die Räume möglichst häufig an „Vollzahler“ vermietet werden. Vereine, die gerne begehrte Termine buchen, stehen daher im Konfliktfalle dem betriebswirtschaftlichen Erfolg der Saalbau im Wege. Daher könnte das Schreiben auch als Versuch verstanden werden, die unrentablen Reservierungen der Vereine mit bürokratischen Mitteln auszuhebeln. Denn möglicherweise ist gar keine Buchung wirtschaftlicher, als die Buchung durch einen Verein zu Vorzugskonditionen. Nur, was bliebe dann noch von der Idee der Bürgerhäuser als von der Stadt getragene Veranstaltungsräume für ihre Bürger?

Welche Rolle spielen Heizkosten?
Verschärft wird das Problem zweifellos durch gestiegenen Energiepreise. Auch die Bürgerhäuser zählen als öffentliche Gebäude und sollen nur noch bis höchstens 19 Grad geheizt werden. Dieses Problem wird sich lösen lassen. Aber die gestiegenen Kosten für Energie könnten die subventionierten und festgelegten Vorzugspreise der Vereine in jedem Falle zusätzlich unwirtschaftlich machen. Nur: Wie sollten angesichts dieser sich ständig ändernden Bedingungen ausgerechnet die Vereine langfristig planen können?

Fazit:
Ob die gestiegene Nachfrage nach Veranstaltungsräumen in den Bürgerhäusern tatsächlich der Grund ist, von den Vereinen eine langfristige Planung zu verlangen, bleibt unklar. Genauso unklar bleibt, mit welchen Konsequenzen ein Verein rechnen muss, der flexibel und kurzfristig einen Raum buchen oder reservieren möchte. Kann er diesen Raum dann gar nicht mehr buchen oder nur noch, wenn er ohnehin frei ist? Oder vielleicht nur noch bei einem Spätbucher-Aufschlag? Die Saalbau bleibt da noch eine Erklärung schuldig.

Wenn die 24-monatige Reservierungspflicht der Vereine jedoch dazu dient, einzig die Wirtschaftlichkeit der Saalbau GmbH zu garantieren – was bliebe dann noch von der Idee der Bürgerhäuser als von der Stadt getragene Veranstaltungsgebäude für ihre Bürger?

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